467 v. Chr. lebte in Syrakus ein Mann namens Korax. Angeblich lehrte er sehr gut Rhetorik und Argumentation, vor allem für den Auftritt vor Gericht. Teisias suchte deshalb Korax auf, um bei ihm ein Rhetoriktraining zu absolvieren. Das kostete auch damals eine Menge Geld. Teisias versprach, er werde das Honorar für das Training bezahlen, sobald er den ersten Prozess gewonnen haben würde. Nach einiger Zeit konnte er nichts mehr lernen. Korax forderte das Salär, aber Teisias bezahlte nicht.

Vor dem Richter in Syrakus argumentierte Korax, er müsse in jedem Fall sein Entgelt bekommen: wenn er siegen würde - dann, weil er den Prozess gewonnen habe, wenn er verlieren würde - dann, weil Teisias seinen ersten Prozess gewonnen habe. Der Richter war beeindruckt.

Teisias dagegen: Er brauchte auf gar keinen Fall zu bezahlen. Entweder er gewinne den Prozess, d.h. die Klage werde abgewiesen, dann bezahle er deshalb nichts, oder er verliere den Prozess, dann fehle es an der Bedingung der Ausbildungsvereinbarung (gewonnener Prozess). Bei soviel sophistischer Spitzfindigkeit war jetzt der Richter ratlos. Wem sollte er Recht geben?

(... übrigens soll er beide mit Schimpf verjagt haben.)